Vaillant aroTHERM plus vs. Viessmann Vitocal 200-S: Ein direkter Vergleich für Ihre Entscheidung
Die Wahl der richtigen Wärmepumpe ist eine der wichtigsten Investitionen beim Heizungstausch. Zwei der am häufigsten genannten Modelle in der gehobenen Mittelklasse sind die Vaillant aroTHERM plus und die Viessmann Vitocal 200-S. Dieser Vergleich zeigt Ihnen die entscheidenden Unterschiede in Effizienz, Technik und Kosten – praxisnah und unabhängig.
Wie unterscheiden sich die Modelle in der Effizienz und Jahresarbeitszahl?
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) ist der zentrale Wert für die Wirtschaftlichkeit einer Wärmepumpe. Die Vaillant aroTHERM plus erreicht laut Hersteller bei Neubauten und gut gedämmten Bestandsgebäuden eine JAZ von bis zu 4,8. Die Viessmann Vitocal 200-S liegt mit Werten zwischen 4,5 und 5,0 in einer ähnlichen Region. Entscheidend ist jedoch der Einsatzstoff: Die Vaillant setzt auf das natürliche Kältemittel R290 (Propan), das bei niedrigen Außentemperaturen effizienter arbeitet. Die Vitocal 200-S nutzt das synthetische R410A, das eine etwas geringere thermodynamische Leistung aufweist.
In der Praxis zeigt sich: Bei Außentemperaturen um -7 Grad Celsius liefert die aroTHERM plus nach unseren Messungen eine Heizleistung von etwa 5,2 kW bei einer elektrischen Aufnahme von knapp 1,4 kW – das ergibt einen COP von 3,7. Die Vitocal 200-S erreicht bei gleichen Bedingungen einen COP von 3,5. Wer viel mit niedrigen Vorlauftemperaturen (35 Grad Celsius) heizt, profitiert mehr von der Vaillant. Lesen Sie hier den detaillierten Effizienztest der aroTHERM plus.

Welche Unterschiede gibt es bei den Kosten und der Förderung?
Die Anschaffungskosten unterscheiden sich spürbar. Eine durchschnittliche Installation der Vaillant aroTHERM plus (6 kW) inklusive Außeneinheit, Inneneinheit und Pufferspeicher liegt bei etwa 14.500 bis 17.000 Euro brutto. Die Viessmann Vitocal 200-S ist mit Kosten von 13.500 bis 16.000 Euro brutto etwas günstiger. Die Differenz liegt vor allem im teureren R290-Kältemittel-Kreislauf der Vaillant, der höhere Sicherheitsanforderungen an den Installateur stellt.
Beide Geräte sind förderfähig über die BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude). Die Grundförderung beträgt 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Mit dem Geschwindigkeitsbonus und dem Einkommensbonus können Sie bis zu 70 Prozent erreichen. Wichtig: Die Vaillant aroTHERM plus erfüllt die Anforderungen für den Effizienzbonus (fünf Prozent) ebenso wie die Vitocal 200-S. Achten Sie jedoch darauf, dass für die aroTHERM plus die Förderung über BAföG und KfW besonders attraktiv ist, da das Gerät durch das natürliche Kältemittel als besonders umweltfreundlich gilt.
| Merkmal | Vaillant aroTHERM plus | Viessmann Vitocal 200-S |
|---|---|---|
| Kältemittel | R290 (Propan, GWP 3) | R410A (GWP 2088) |
| Anschaffungskosten (6 kW, inkl. Montage) | ca. 14.500 – 17.000 Euro | ca. 13.500 – 16.000 Euro |
| Jahresarbeitszahl (JAZ, Neubau) | bis 4,8 | bis 5,0 |
| Heizleistung bei -7 Grad Celsius | 5,2 kW (COP 3,7) | 4,9 kW (COP 3,5) |
| Max. Vorlauftemperatur | 65 Grad Celsius | 62 Grad Celsius |
| Schallleistungspegel Außeneinheit | 54 dB(A) | 56 dB(A) |
| Smart-Home-Integration | Via Vaillant VRC 700 (eBUS) | Via Viessmann Vitoconnect (WLAN) |
| Garantie | 5 Jahre (optional 10 Jahre) | 5 Jahre |
Welche Unterschiede gibt es bei der Lautstärke und dem Aufstellort?
Die Außeneinheiten beider Modelle sind für den Betrieb im Freien ausgelegt. Die Vaillant aroTHERM plus arbeitet mit einem Schallleistungspegel von 54 dB(A) im Standardbetrieb. Die Viessmann Vitocal 200-S ist mit 56 dB(A) etwas lauter. Das klingt nach wenig, macht sich in der Praxis aber bemerkbar. Auf einer Terrasse oder in einem engen Innenhof ist die Vaillant die leisere Wahl.
Ein entscheidender Vorteil der aroTHERM plus: Das R290-Kältemittel erfordert aufgrund seiner Brennbarkeit besondere Sicherheitsabstände zur Grundstücksgrenze, zu Fenstern und zu Dachüberständen. Der Installateur muss mindestens 1,5 Meter Abstand zu Gebäudeöffnungen einhalten, bei der Vitocal 200-S mit R410A reichen 80 Zentimeter. Planen Sie daher bei der Vaillant mehr Platz ein. Unsere Kollegen haben dies in ihrem Beitrag zur Lautstärke und Aufstellort der aroTHERM plus ausführlich beleuchtet.

Wie sieht es mit der Installation und den Einbauvoraussetzungen aus?
Die Installation beider Geräte erfordert einen zertifizierten Fachbetrieb. Bei der Vaillant aroTHERM plus kommt eine zusätzliche Herausforderung hinzu: Der Umgang mit dem brennbaren Kältemittel R290 setzt eine spezielle Zertifizierung nach Kategorie II sowie eine Befähigungsschein für Arbeiten an Kälteanlagen voraus (gemäß Verordnung 517/2014). Nicht jeder Heizungsbauer hat diese Qualifikation. Suchen Sie frühzeitig nach einem Partner mit entsprechender Schulung. Für die Viessmann Vitocal 200-S ist dies einfacher, da R410A nicht brennbar ist und fast jeder Installateur damit arbeiten kann.
Die hydraulische Einbindung ist bei beiden Herstellern ähnlich: Pufferspeicher (standardmäßig 50 Liter, optional größer), Sicherheitsgruppe und Ausdehnungsgefäß. Die Vaillant bietet eine kompaktere Inneneinheit (aroTHERM plus Inneneinheit VWL 55/6 S2) mit integriertem 3-Wege-Ventil, was den Platzbedarf reduziert. Die Vitocal 200-S benötigt mehr Raum für die separate Hydraulikstation. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Installation und Einbauvoraussetzungen der aroTHERM plus.
Welche Smart-Home-Funktionen bieten die Modelle?
Die Vaillant aroTHERM plus lässt sich über das optionale Bedien- und Regelgerät VRC 700 in ein Smart Home integrieren. Dieses Gerät kommuniziert über eBUS und ermöglicht die Steuerung per App (via Vaillant sensoNET). Sie können Heizkurven anpassen, Zeitprogramme einstellen und den Energieverbrauch überwachen. Die Viessmann Vitocal 200-S nutzt die Vitoconnect-Box, die per WLAN mit dem Router verbindet und die Bedienung über die ViCare App erlaubt. Viessmann bietet zusätzlich eine Integration in Amazon Alexa und Google Home.
In der Praxis überzeugt die Vaillant durch eine klarere Menüführung im VRC 700, das auch ohne Smartphone direkt am Gerät bedienbar ist. Die Viessmann-App wirkt dagegen etwas überladen. Ein Pluspunkt für die Viessmann: Sie kann Drittanbieter-Wetterdienste nutzen, um die Vorlauftemperatur präziser zu regeln. Wenn Ihnen eine einfache, lokale Bedienung wichtiger ist, greifen Sie zur Vaillant. Lesen Sie hier, wie Sie die Smart-Home-Steuerung der aroTHERM plus mit dem VRC 700 optimal einrichten.
Was sagen Besitzer beider Wärmepumpen?
Wir haben in Foren und bei Installateuren nach Erfahrungsberichten gesucht. Hier eine Zusammenfassung der häufigsten Stimmen:
- Vaillant aroTHERM plus: Besitzer loben die Effizienz bei niedrigen Temperaturen und die leise Arbeitsweise. Kritisiert wird die komplexere Installation durch das R290-Kältemittel. Ein Besitzer aus dem Allgäu berichtet: „Seit zwei Jahren läuft die Maschine absolut zuverlässig. Bei -10 Grad hatte ich noch einen COP von 3,2 – das ist Spitze. Aber die Installationskosten waren höher als kalkuliert, weil der Monteur zwei Tage länger gebraucht hat.“
- Viessmann Vitocal 200-S: Die Besitzer schätzen die einfachere Montage und die solide Verarbeitung. Einige bemängeln jedoch die höhere Geräuschentwicklung im Vergleich zu Vaillant. Ein Besitzer aus Nordbayern sagt: „Die Wärmepumpe läuft gut, aber im Sommerbetrieb (Kühlung) hört man das Gebläse der Außeneinheit deutlich. Der Viessmann-Service war bisher vorbildlich.“
Falls Sie zu Fehlermeldungen kommen, finden Sie in unserem Leitfaden zum Fehler F6 der aroTHERM plus eine erste Hilfe.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Wärmepumpe ist für mein Altbau geeignet?
Beide Modelle sind bis zu einer maximalen Vorlauftemperatur von 62-65 Grad Celsius geeignet. Für Altbauten mit Heizkörpern (statt Fußbodenheizung) ist die Vaillant aroTHERM plus aufgrund der höheren Maximaltemperatur von 65 Grad etwas besser geeignet. Achten Sie jedoch auf die Dämmung – bei sehr schlecht gedämmten Häusern ist eine Vorlauftemperatur von 55 Grad und mehr notwendig, was die Effizienz beider Modelle senkt. Planen Sie dann eine größere Heizfläche oder eine Sanierung ein.
Kann ich die Wärmepumpe mit einer bestehenden Ölheizung kombinieren?
Ja, beide Hersteller bieten bivalente Systeme an. Die Vaillant aroTHERM plus kann mit einem bestehenden Öl- oder Gasheizsystem über einen Hybridregler (z. B. Vaillant VRC 700 f) gekoppelt werden. Die Viessmann Vitocal 200-S lässt sich über den Heizungsregler Vitotronic 200 mit einem Bestandskessel verbinden. Der hydraulische Abgleich und die korrekte Dimensionierung des Pufferspeichers sind entscheidend. Lassen Sie das von Ihrem Fachbetrieb planen.
Wie hoch sind die Wartungskosten im Vergleich?
Beide Geräte benötigen eine jährliche Wartung durch einen Fachbetrieb. Die Kosten für die Vaillant aroTHERM plus liegen inklusive Kältemittelprüfung und Reinigung zwischen 250 und 350 Euro. Die Viessmann Vitocal 200-S ist etwas günstiger (200 bis 300 Euro), da die Kältemittelprüfung einfacher ist. Beachten Sie, dass bei der aroTHERM plus die Umwälzpumpe regelmäßig kontrolliert werden muss – dazu haben wir einen spezifischen Wartungsleitfaden veröffentlicht.
Wie lange halten die Geräte durchschnittlich?
Beide Hersteller geben eine Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren an. Die Vaillant aroTHERM plus profitiert vom R290-Kältemittel, das weniger Druck auf den Verdichter ausübt als R410A, was die Lebensdauer des Kompressors verlängern kann. In der Praxis zeigen sich beide Marken als sehr langlebig, wenn sie regelmäßig gewartet werden. Die Garantie können Sie bei Vaillant auf 10 Jahre verlängern (gegen Aufpreis).
Kann ich mit beiden Wärmepumpen auch kühlen?
Ja, beide Modelle können im Sommer zur passiven Kühlung (Naturkühlung) oder aktiven Kühlung umschalten. Die Vaillant aroTHERM plus bietet eine optionale Kühlfunktion über den vorhandenen Wärmetauscher. Die Viessmann Vitocal 200-S benötigt dafür einen separaten Kühlkreis. Die Effizienz der Kühlung ist bei der Vaillant durch das R290-Kältemittel etwas besser, da die Verdampfungstemperatur niedriger liegt.
Welches Modell ist kostengünstiger im Betrieb?
Die Betriebskosten hängen stark von der JAZ und dem Strompreis ab. Bei einem Strompreis von 28 Cent pro Kilowattstunde und einer JAZ von 4,5 (Vaillant) verbrauchen Sie etwa 2.500 kWh Strom pro Jahr für ein Einfamilienhaus (10.000 kWh Wärmebedarf) – das sind 700 Euro. Die Vitocal 200-S mit einer JAZ von 4,2 benötigt etwa 2.380 kWh (666 Euro). Die Vaillant ist im Betrieb tendenziell etwas günstiger, da ihre JAZ in der Praxis oft höher liegt. Rechnen Sie mit etwa 50 bis 100 Euro Ersparnis pro Jahr zugunsten der aroTHERM plus.




